Artwork Hühnchen mit FlascheArtwork Weintraube
Gretzmeier Hofladen Biobauernhof_@Caterina Priesner
Quelle: Gretzmeier Hofladen Biobauernhof_@Caterina Priesner

Wenn alle zusammenhalten

Veröffentlicht am:

Rund ums Jahr ist auf einem Bio-Bauernhof dermaßen viel zu tun, dass ein Begriff wie „Urlaub“ fast wie ein Fremdwort für die Gretzmeiers ist. Elena Gretzmeier (28) hat in die Winzerfamilie eingeheiratet und lernte schnell – jeder packt mit an und alle müssen zusammenhalten.

In der Philosophie dieser Familie ist ökologischer Anbau tief verankert und das nötige landwirtschaftliche Wissen wird seit 30 Jahren immer weiterentwickelt. Auch Elena will diese Errungenschaft mit ihrem Mann an andere weitergeben. Sie stammt selbst aus einem Familienbetrieb (Zimmerei mit zehn Mitarbeitern in bald vierter Generation). Und Tochter Tilda bekommt natürlich schon jetzt nur gesunde Bio-Kost.

Auch wenn klar ist, dass Bio-Anbau intensivere Arbeit ist als im konventionellen Betrieb: In Elenas Stimme schwingt echte Bewunderung für Jakobs Vater mit, wenn sie erzählt. „Seine hartnäckigen Recherchen und Versuche haben das alles immer weiter gebracht“.

Wie alles begann

Als Jakob und Elena sich im Jahr 2014 kennenlernen, übernimmt Jakob die Verantwortung für den Geschäftsbereich des Kellerausbaus auf dem Weingut seines Vaters Heinrich. Zu dieser Zeit weiß Jakob schon, dass ihm eines Tages vermutlich die Verantwortung für den gesamten Betrieb übertragen wird.

„Ich habe überhaupt nicht gewusst, wie ich das alles machen soll,“ erzählt der herzliche Winzer, der seine Ausbildung als Techniker für Weinbau und Önologie gemacht hat. Erst als er Elena im Jahr 2014 kennenlernt, fühlt er sich „auf einmal reif dafür“.

Die junge Familie hat ihr erstes Landwirtschaftsjahr hinter sich, für das Jakob als Inhaber und Geschäftsführer verantwortlich zeichnet. Der Hof ist ihm am 30. Juni 2020 überschrieben worden. Von der Oma bis zu den Kindern, zuzüglich den Mitarbeitern und des gesamten Traditionsbetriebs, ruht die Existenz nun auf seinen Schultern.

Die Familie Gretzmeier vor dem Eingang ihres Weinguts
Quelle: Stadtmagazin

Allerdings trägt er die Verantwortung nicht allein: Sein sechs Jahre jüngerer Bruder, Titus, hat mit dem Außenbetrieb einen eigenen Verantwortungsbereich, Jakobs Mutter kocht jeden Mittag für den gesamten Betrieb einschließlich Mitarbeitern, Elena schmeißt das Büro inklusive Gestaltung, bewirtet Gäste und ist im Hofladen anzutreffen, viele Menschen verantworten weitere wichtige Bereiche und vor allem steht natürlich Heinrich Gretzmeier (59) weiterhin hinter allem.

Er hatte vor 30 Jahren als erster Bauer der Region auf Bio-Anbau umgestellt, nachdem er den Hof 1986 von seinem Vater übernommen hatte.

Drei Jahre Umstellungszeit waren auch damals schon von der Anmeldung bei der Ökokontrollstation bis hin zur geprüften Anerkennung als „ökologischer Landbau“ erforderlich. Mit seinem Leitsatz „Qualität statt Quantität“ entschied Heinrich, dass ein gewisser Verzicht auf Maximalerträge ein sich selbst regulierendes Ökosystem fördern sollte, das möglichst ohne chemische Pflanzenschutzmittel und leicht löslichen Stickstoffdünger aus- kommt und das gelang auch.

Und so läuft es heute

Dem fast legendären Erfindergeist von Heinrich Gretzmeier ist der Anbau von mittlerweile 1000 Trüffelbäumen zu verdanken, ebenso wie 40 Brände mit teils ausgefallensten Früchten wie „Dornpflimli“, „Äschpele“ oder „Speierling“. Trüffel in allen Varianten, wie etwa Trüffelflammkuchen, können Gäste der Strauße genießen.

Frau Gretzmeier mit Kind vor einem Weinregal

Ebenso wie Brände aus einer solarbetriebenen Brennerei, für die Vater Heinrich (jetzt schon Großvater Heinrich) einen Innovationpreis erhielt. Auf die Privatkunden konnten die Gretzmeiers auch in der Coronazeit zählen. Sie haben sich nie von Großeinkäufern abhängig gemacht. Und so kamen sie einigermaßen glimpflich durch die Krise.

„Wir sind unseren Privatkunden so unendlich dankbar, wie sie uns durch die Coronazeit getragen haben. Mein Vater und meine Mutter haben aus dem Nichts einen großen Kundenstamm aus Privatkunden aufgebaut, zu denen teilweise Freundschaften entstanden sind.“, sagt Jakob Gretzmeier.

Überhaupt zeigen er und seine Frau Elena viel Respekt für andere. Nicht selten reisen Kunden aus München, Köln, Düsseldorf oder Berlin nach Merdingen an, um in Gretzmeiers Hofladen gute Weine zu probieren, kistenweise einzukaufen und gleich noch eine gute Zeit in der Strauße und mit Familie Gretzmeier zu verbringen.

Mehr aus dieser Kategorie