Artwork TasseArtwork Kaffeebohne
Martin Horn hält ein witziges Schild über Kaffee
Quelle: Stadtmagazin

Espresso mit dem Bürgermeister

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Geschützt unter Schirmen und bei Brunnengeplätscher treffe ich unseren OB Martin Horn auf dem Herdermer Marktplatz. Dort steht auch mein Kaffeemobil „Jenny’s Cafésita“ und da ich nebenberuflich Barista bin, lasse ich schnell die Siebträgermaschinchen schnurren und serviere Herrn Martin Horn seinen Lieblingskaffee – um ihn anschließend gleich auszuquetschen.

Quelle: Stadtmagazin

Guten Tag Herr Horn, danke, dass Sie trotz des Regenwetters gekommen sind. Mit einem Kaffee in der Hand sieht die Welt gleich ganz anders aus, oder? Einen doppelten Espresso mit ein bisschen Milchschaum haben Sie sich ausgesucht. Das sagt mir schon einmal, dass Sie ein Kaffeegenießer sind. Ist das so?

Ich habe sehr spät angefangen Kaffee zu trinken, erst mit Mitte zwanzig, und umso mehr genieße ich es. Ich trinke Kaffee weniger um wach zu bleiben, sondern wirklich aus Genuss – auch abends einmal nach dem Feierabend zuhause dann noch einen Espresso Macchiato. Ich bin niemand der hibbelig wird, sondern wirklich genießt. Das fängt bereits morgens mit dem Cappuccino zum Frühstück an.

Quelle: Stadtmagazin

Sie und Ihre Familie sind zu Ihrem Amtsantritt nach Freiburg gezogen. Wie ist es jetzt für Sie hier zu leben? Wie wirkt sich dieses Freiburggefühl auf Sie aus?

Ja, tatsächlich stand auf dem Wahlzettel damals eine Stuttgarter Adresse, was viele verwirrte. Wir haben mehrere Jahre in Stuttgart gelebt, meine Frau hat dort ihr Diplom gemacht. Ich selbst bin geborener Pfälzer, kein Schwabe und kein VfB-Fan, auch nie gewesen, das muss ich bis heute betonen! (lacht)

Meine Bewerbung für das Amt des Oberbürgermeisters war eine ganz bewusste gemeinsame Familienentscheidung für Freiburg. Es gibt eine große Verbundenheit durch Patenfamilien hier sowie meine Großmutter. Natürlich lieben wir hier das Grüne, den Schwarzwald, wunderbare Weinlandschaften und gleichzeitig die Weltoffenheit und Vielfalt der Stadt. Das macht das typische Lebensgefühl unserer Stadt aus.

Quelle: Stadtmagazin

Was sind denn so Ihre Lieblingsplätze hier?

Ich muss jetzt aufpassen, dass diese Plätze noch Lieblingsplätze bleiben, wenn ich sie hier verrate (grinst). Wir wohnen in Littenweiler und genießen die Nähe zum Schwarzwald. Wir sind totale Dreisamfreunde, sind mit unseren Jungs oft an der Dreisam. Auch die Joggingroute durchs Dreisamtal und zurück über den Baldenwegerhof ist toll.

Aber klar, gibt es auch andere Orte, zu denen ich eine Verbindung habe. Auch wenn das jetzt komisch klingt, aber hinten im Mooswald ist unsere Deponie Eichelbuck, diese ehemalige große Mülldeponie, die auch ein Solarkraftwerk ist. Ganz oben ist ein kleines Seminarhäuschen und der Blick von da ist traumhaft schön. Wenn wir eine interne Klausur haben, dann zeigen wir unseren Gästen diese Aussicht über den Mooswald bis zum Münster und unsere Weinregionen – Der Ort ist halt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ansonsten bin ich auch gern am Tuniberg unterwegs.

Sportlich sind Sie ja auch, Herr Oberbürgermeister. Nur für Instagram oder auch wirklich?

Nur für Insta (lacht). Also, wenn man mir auf Instagram folgt, dann denkt man eigentlich nur „Was hat der Mann für coole Termine und für ein lässiges Leben“. Aber gleichzeitig bildet das ja nur einen Bruchteil meiner Arbeit zwischen den ganzen Terminen, Sitzungen und Arbeiten am Schreibtisch ab. Das bekommt halt keiner mit.

Mich fasziniert Wasser und ich bin sogar ausgebildeter Rettungstaucher, war aber seit ich Oberbürgermeister bin kein einziges Mal mehr tauchen. Ich brauche viel Bewegung, deshalb jogge ich, oft auch morgens, ins Rathaus rein und heute Abend werde ich trotz des Regens wieder heimjoggen. Das ist ein super Ausgleich. Sonst gehe ich Fahrradfahren, mache auch einmal einen Bergaufstieg am Wochenende oder bin im Winter gerne Skifahren.

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Wie sieht denn der Fuhrpark der Familie Horn aus? Steht da auch schon ein Lastenrad?

Wir haben privat kein Auto. Als Familie machen wir seit über zehn Jahren Carsharing und leihen uns Autos bei Bedarf, weil das sonst bei uns daheim rumstehen würde. Wir haben zwei E-Bikes, gegen die ich mich lange gewehrt habe, aber mit Anhängern ist das mit den Kindern viel leichter und wir unternehmen viel damit. Sonst schauen wir auch so im Alltag viel auf Nachhaltigkeit (blickt sich um) und so geht auch meine Frau viel auf dem Markt einkaufen – regional, bio, möglichst unverpackt.

Quelle: Martin Horn

Das Corona-Thema beschäftigt immer noch. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Wir sind alle irgendwo Corona-müde, jetzt sind wir aber glücklich mit den Lockerungen, die durch die Impfungen ermöglicht wurden (Spätsommer 2021). Freiburg hat es im Frühjahr 2020 auch hart getroffen, aber wir haben schnell reagiert. Man kann natürlich noch nicht abschätzen, was diese Situation mit unseren Kindern und Jugendlichen, mit isolierten Menschen macht – viele sind immer noch verunsichert.

Es wird trotzdem Zeit, meine ich, nicht mehr nur auf die Inzidenzen zu schauen, deshalb bin ich für einen Mittelweg. Insgesamt bin ich beeindruckt und dankbar, dass sich die Mehrheit der Freiburger*innen an die Verordnungen gehalten hat, extrem verantwortungsbewusst aufgetreten ist. Und durch diese Welle an Solidarität unter dem Hashtag #freiburghältzusammen kam viel Positives heraus.

An dieser Stelle auch nochmal ein Lob an Sie und Ihr Team über die transparente und offene Kommunikation in dieser Zeit. Das hat viele Menschen erreicht und auch Sicherheit transportiert. Bitte weiter so!

Quelle: Stadtmagazin

Vielen Dank! Das Kompliment gebe ich gerne ans Team weiter. Die machen einen super Job!

Herr Horn, was ist ihr Fazit zu ihrer Amtszeit bisher. Was hat in den letzten drei Jahren geklappt, was steht noch auf der To-do- Liste ganz weit oben?

Ich habe vor Kurzem meinen 100-Tage-Zettel in die Hand gedrückt bekommen und habe mich richtig darüber gefreut, dass von den zehn Punkten auf der Liste quasi acht bis neun erfüllt sind. Es gibt noch viele große strategische Herausforderungen. Mit der größten Wohnbauoffensive der FSB in der Geschichte der Stadt setzen wir beispielsweise ein Signal für bezahlbares Wohnen.

An der Digitalisierung der Schulen arbeiten wir, aber leider ist das nicht von heute auf morgen zu machen und dauert viel zu lang. Auch bei der Klimakrise haben viele noch nicht verstanden, was da auf uns zurollt. Wir müssen noch mutiger werden und ich freue mich, mit einer so aktiven Stadtverwaltung weiterhin mein Bestes zu geben.

Und im privaten Bereich?

Privat freue ich mich natürlich über die Geburt unserer kleinen Tochter Anfang des Jahres 2021. Das war ein absolutes Highlight und wir genießen unser Familienleben zu fünft. Von wegen das Nachtleben wäre tot… (lacht)

Vielen Dank für den Plausch Herr Horn!  Alles Gute weiterhin und bleiben Sie gesund.

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