Artwork Haus in HändenArtwork Flugzeug
Jenny läuft mit Einkaufstaschen durch die Stadt
Quelle: Stadtmagazin

Cheerful City Freiburg

Veröffentlicht am:

Früher hieß es „New York, Rio, Tokio“. Heute heißt es „Auckland, Taipeh, Freiburg“ – Im aktuellen Ranking von „Lonely Planet’s Best in Travel 2022“ belegt Freiburg zwar nur, aber immerhin den dritten Platz der schönsten Städte der Welt. Charismatisch, umweltbewusst und „cheerful“, also heiter, fröhlich, aufgekratzt und von beneidenswert hoher Lebensqualität sei die Schwarzwaldmetropole, meinen die Ranker vom einsamen Planeten.

Quelle: Martin Koswig

Über den Kolumnisten

Arne Bicker schreibt als absoluter Freiburg-Insider regelmäßig Kolumnen für DAS STADTMAGAZIN .

Immer wieder werde auch ich gefragt, was denn die Vorzüge seien, in Freiburg zu leben, und welche Highlights ich empfehlen könne. Damit hier ein für alle Mal Ruhe ist im Karton, lege ich mich jetzt und hier fest und fasse diese Vorzüge schriftlich für alle Ewigkeit zusammen. Die kann man dann von mir aus in einer goldenen Kapsel ins All schießen, im neuen Stadtteil Dietenbach auf einem Obelisken eingravieren oder allen bettenbesteuerten Touristen pauschal oder individuell mit einer Sprach-App in ihre Handys beamen.

Quelle: Stadtmagazin

Freiburg-Vorzüge zu schildern, ist deshalb so mühselig, weil das natürlich bedeutet, Eulen nach Athen zu tragen. Dessen bedarf es nicht. Aber da ich ja doch immer wieder gefragt werde, hier also meine Empfehlungen: „Wohlan, tretet ein, und herzlich willkommen, meine Damen und Herren, in einer Stadt, die im Gegensatz zu ihrer Big Sista New York auch mal schläft, und das herrlicherweise nicht zu knapp, die lebt, liebt und atmet, die duftet und blüht, in der Natur und Menschsein ihren Platz haben, in der, kurz gesagt: zu leben sich lohnt.“

Quelle: Stadtmagazin

Highlights

  1. Einen Besuch des Stadtteils Berlin, weil der via ICE nur einen Katzensprung entfernt und somit als liebenswerter Freiburger Vorort keineswegs zu unterschätzen ist.
  2. Das Bluesclubradio bei Radio Dreyeckland, weil da einmal die Woche ein Verrückter im Studio verschwindet und Schallplatten auflegt, die man vor seinem Tod – also dem des Moderators – mindestens einmal gehört haben sollte. Auf www.bluesclubradio.de gibt es im wöchentlichen Download 60 Minuten passende Musik zum, sagen wir, roten Burgunder.
  3. Ein weiterer Vorort, wie schon Berlin auf der anderen Seite, nur etwas größer, dafür aber noch näher dran, heißt Frankreich. Dort findet sich eine unergründliche Schatztruhe voller kulinarischer Genüsse und liebenswerter Menschen.
  4. Die Spielstätte des SC Freiburg, die daliegt, wie ein gerade eben gelandetes Ufo von Roland Emmerich. Rundumlaufende Zickzackstreben symbolisieren das ewige Auf und Ab im Fußball. Gerüchten zu Folge soll das Stadion als einziges menschliches Bauwerk neben der chinesischen Mauer sogar vom Weltraum aus zu sehen sein. Und wenn der FC St. Pauli eine Fahrstuhlmannschaft ist, dann ist der SC Freiburg eine Seilbahnmannschaft. Strahlende Aussichten, bisweilen bis an die Kanten des Kontinents, wechseln mit nebelverhangenen Talfahrten. Nicht nur die ungewöhnlich vielen Freiburgerinnen im gewöhnlich ausverkauften Stadion können all das genießen, ohne die Straßenbahnen wie in Gelsenkirchen aus den Schienen hüpfen zu lassen. Der Weg ist das Spiel, und Deutscher Meister im Unerwartet-in-der-höchsten-Liga-Mitmischen ist der Sportclub schon längst.
  5. Die Schauinslandbahn ermöglicht es jedem, kontemplativ einen Berg emporzuschweben. Das ist unprätentiöser Luxus wie auch eine nicht zu verachtende Seilzug- und Zugseilerfahrung. Oben warten kühle Luft an heißen Tagen und ein Turm, den keine noch so gewiefte Rochade ins Wanken bringt. Hier finden alle Emporschweber jene geistige Frische, die man für das südbadische Laissez-Faire braucht.
Quelle: Freiburg erleben

Wichtigste Personen der Stadt

  1. Der berühmteste Einwohner der Stadt ist Franz Siegel, Gründer des ersten Freiburger Eissportclubs und Erbauer des Freiburger Eisstadions, das bis heute wunderbar spannenden Sport feilbietet. Nicht zu verwechseln mit Franz Sigel (1824-1902), Offizier der Badischen Armee in der Märzrevolution, der indes ähnlich entschlossen zu Werke ging.
  2. Giada, eine eingeborene Skulptur des Freiburger Bildhauers Pál Mathias, schlank, bronzen, im Stehen schlafend, mal kühl, mal heiß, immer inspirierend, still kommunizierend, ein quasi explosiver Ausbund an Gelassenheit – so wie diese Stadt, zu besichtigen in der Galerie in der Freiau.

Naturphänomene

  1. Der Himmel über Freiburg – ist öfter blau und strahlend und immer sonniger als anderswo, schon bei der Anfahrt aus der Ferne als kreisrundes Loch in der Wolkendecke zu erkennen.
  2. Der Höllentäler schleicht in heißen Nächten leidenschaftlich gern ums Münster herum. Die Freiburger bauen ihm Fenster, die es sonst so auf der Welt nicht gibt.
  3. Der Sommer in Freiburg lässt nicht nur Skandinavier vor Neid erbräunen und dauert mindestens acht Monate an, in guten Jahren gern auch mal länger. Denn in Freiburg gibt es nur zwei Jahreszeiten: Frühling und Sommer. Frühling ist von Januar bis Februar. Von März bis Oktober folgt der Sommer, bevor im November der Vorfrühling beginnt. Wie sagte es einst ein bundesdeutscher Seppherbergsvater: Nach dem Sommer ist vor dem Sommer. Check.
  4. Sunnewirbele. Denn Freiburg ohne Feldsalat wäre wie Fasnet ohne Umzug oder Wein ohne Oechsle – es machte keinen Sinn.

Fazit

Freiburg macht gute Laune – wenn man es denn will. Das Glück liegt in den Gassen der Stadt und plätschert durch die Dings, ihr wisst schon. Lasst also ein Holzschiffchen schwimmen oder einen Drachen steigen und genießt den schönsten Abstecher neben Auckland und Taipeh.

Mehr aus dieser Kategorie