Artwork LorbeerblattArtwork Glas mit Zitrone
Philip neben seiner Destillieranlage
Quelle: Stadtmagazin

Gin mit Herz gebrannt

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In der ehemaligen Waschküche des Hofes strahlt eine blinkende und blitzende Brennanlage. Markus Wuchner weiß sie zu bedienen. Den Viehbetrieb der Eltern stellte er ein und seine Frau Heike brachte ihn auf den richtigen Riecher. Mit viel Herz brennt hier nun der Gin, wo früher die Schweinehälften von der Decke hingen.

Markus Wuchner von Maidli Gin_@Caterina Priesner

„Die Decke war früher hier viel niedriger“, erklärt Markus Wuchner, der die Waschküche, Haus und Hof selbst ausgebaut hat. Er ist gelernter Tischler. Der ganze Hof ist picobello gestaltet und hübsch anzusehen. Markus‘ Opa war Dorfschmied in Heuweiler und in der Landwirtschaft tätig, immer auch mit ein paar Kühen und Schweinen und vielen Apfel- und Birnbäumen auf dem Hof. Tiere macht er nicht mehr, doch das Brennen ist geblieben.

Mehrere Ginsorten neben geflochtenen Körben
Quelle: Wobin Weindl

Nach einigen Jahren Fernbeziehung kam seine Heike aus Berlin nach Heuweiler, das war vor etwa fünf Jahren. Damals, als sie noch in Berlin lebte, bat sie Markus, ob er doch bitte einmal Gin brennen könne. Markus, nicht dumm, konterte:

„Dann musst du herziehen und mir helfen, das ist mir allein zu aufwändig.“ Gesagt, getan, und nun haben sie ihren Maidli Gin. Und alle drei, Markus, Sohn Philipp und Stichwortgeberin Heike, lieben ihn heiß und innig.

Maidli Gin Black Edition vor Lagerfeuer

Der feine Gin ist ein Nebenerwerb – und alle helfen mit. Die Drei gehen in Vollzeit ihrem Hauptberuf nach, samstags brennen sie den Gin in aufwändiger Handarbeit. Philipp: „Meine Kollegen freuen sich immer, wenn ich einen Gin mitbringe oder wenn sie mich fragen können, ob ich am nächsten Tag etwas für ein Geschenk bringen kann.“

Quelle: Robin Weindl

Das geht früh morgens um sieben Uhr mit dem Anfeuern des Holzofens los, erklärt Philipp. Bei einem Brand kommen etwa fünfzig Liter zusammen, die sind gegen siebzehn Uhr fertig. Dann ist Feierabend.

Nebenher lassen sich Flaschen saubermachen oder etikettieren, aber unbeaufsichtigt darf man das Feuer nicht lassen. „Man muss ein Auge draufhaben, der Gin darf nur langsam rauslaufen mit reduzierter Luftzufuhr im holzbefeuerten Ofen, damit er nicht so scharf wird, man entwickelt ein Gefühl dafür“, erklärt Philipp. Die Leidenschaft funkelt in den Augen wie das Holz in der Brennanlage: Trotz des Aufwands im Nebenberuf haben Markus, Heike und Philipp noch nie im Traum daran gedacht, das Brennen bleiben zu lassen. Es macht ihnen einfach Spaß.

Quelle: Stadtmagazin

Während Corona gab es die ungewöhnliche Situation, dass an manchen Wochenenden gar nichts getan werden musste, Hoffeste und Gin-Tastings fielen weg und solange der Vorrat reichte, konnte man ausnahmsweise das ganze Wochenende nichts tun. Umso mehr freuen sie sich nun, dass es endlich wieder losgeht.

Eine alte Postkarte war Vorlage fürs Layout des leckeren Maidli Gin. Sie zeigt eine Tracht aus dem 18. Jahrhundert und Markus erklärt: „Das Gesicht dieser Frau wirkt wie das eines jungen Mädles. Und so kamen wir auf den Namen Maidli.“ Heike und Markus fanden später die Tracht bei einem Glottertäler Sammler wieder. Der Hut ist ein hochwertig geflochtener Strohhut, der mit Schwefel behandelt wurde, damit er haltbar bleibt und deshalb hat er diese gelbliche Farbe. „Die Stickerei der Tracht an den Ärmeln ist huldvoll und sehr aufwändig“, schwärmt Heike.

Quelle: Michael Wissing

„Die Leute kommen und es geht eigentlich nie jemand weg und sagt, der Gin schmeckt nicht. Sie probieren, sind begeistert und ein Gin schmeckt ihnen besser als der andere. Das Schöne ist das direkte Feedback, was man hat.“ Und Philipp ergänzt: „Es ist ein guter Gin, gemixt oder pur, man kann ihn super trinken, dem Kopf passiert nichts und jeder der Ginsorten schmeckt besonders.“

Markus Wuchner

Außer auf regionalen Märkten betreiben die Drei von Maidli Gin keine Vermarktung. Es wäre im Nebenerwerb zu aufwändig und wahrscheinlich müssten sie bald riesige Mengen produzieren. Sie haben mehr Freude mit regionalen Märkten. Viel Freude bereiten ihnen auch die Begegnungen  mit den Gästen bei Hoffesten und den legendären Gin Tastings auf dem Hof.

Quelle: Stadtmagazin

Inzwischen führen einige Partner, meist Delikatessen Anbieter, oder auch der Rewe im Glottertal, der viele regionale Produkte führt, den Maidli Gin im Sortiment, was die Wuchners sehr freut. Ihre regionalen Verbindungen gestalten sie so, dass ein stärkendes Netzwerk für die Region entsteht. So bleibt die Freude immer erhalten.

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