Artwork Superheldinnen
Kleines Mädchen lacht in die Kamera
Quelle: Marko Tuokko

Kinderseelen retten

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„Kinder haben das Recht, sicher und beschützt aufzuwachsen“, sagt Ingrid Raiser-Stock vom Jugendamt der Stadt Freiburg. Aktuell warten in einer Stadt wie Freiburg zehn Kinder auf eine Pflegefamilie und damit auf ein neues Zuhause.

Fünfzehn Jahre war Ingrid Raiser-Stock im Kommunalen Sozialen Dienst (KSD) als Bezirkssozialarbeiterin tätig. Inzwischen leitet sie dort den Pflegekinderdienst. In Ihrer Abteilung wird akquiriert, geschult, vermittelt, begleitet: Es geht um das Gelingen in Pflegefamilien. (Ingrid Raiser-Stock, im Foto unten rechts, mit ihrem Team)

Team vom Jugendamt der Stadt Freiburg im Gespräch
Quelle: Stadtmagazin

Pflegefamilien sind eine glückliche Wendung

Pflegefamilien sind die beste Möglichkeit für Kinder, die eine glückliche Wendung in ihrem Leben benötigen. Die Zahl der Menschen, die ein schutzbedürftiges Kind zu sich aufnehmen, ist zwar gesunken, aber Ingrid Raiser-Stock ermutigt für die Aufgabe der Pflegeeltern und begeistert damit andere Eltern. Sie spricht sie aus ihrer langjährigen Berufserfahrung, wenn sie diesen Eltern sagt: „Es ist eine tolle gesellschaftliche Tätigkeit, eine Bereicherung durch das Kind und durch das eigene Helfen. Auch bringt die Gemeinschaft im Kreis engagierter Pflegeeltern mehr Offenheit durch viele Begegnungen ins eigene Leben. Es ist eine schöne Chance, etwas Sinnvolles zu tun.“

Porträt von Ingrid Raiser-Stock
Quelle: VitaMovere

„Die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Kindern ist die vertrauensvolle Bindung zu festen Bezugspersonen.“

Ingrid Raiser-Stock
Artwork Superheld

Akten des Kommunalen Sozialen Dienstes beherbergen unzählige, schwerwiegende Lebensgeschichten, die uns, das Team von DAS STADTMAGAZIN, fassungslos machen. So gibt es Eltern, die nicht lesen und nicht schreiben können, die alles richtig machen wollen und doch zum Kind ihres eigenen Kindes werden. Aber auch gut situierte Mütter, die keine Bindung zu ihrem Kind aufbauen können, es ablehnen, vernachlässigen, manchmal sogar misshandeln. Kokainsüchtige Väter, die es schaffen wollen, mit der Geburt ihres Kindes ein neuer Mensch zu werden und dann scheitern. Werdende Mütter, die wegen schwerer Alkoholsucht aus dem Obdachlosenheim geworfen werden. Meist erfährt das Jugendamt von diesen Fällen, wenn sich Personen aus dem Umfeld melden. Berichte kommen aus der Kitas, aus den Schulen, aus einer Arztpraxis und manchmal auch von Nachbarn. Sie berichten dann von Überforderung der Eltern.

Mädchen schlägt Hände vors Gesicht
Quelle: Pixabay

Die Krux der Elternsuche

„Um mehr Pflegeeltern zu finden, haben wir bereits größere Kampagnen gestartet, die Stadt plakatiert, Flyer ausgelegt, die Presse angesprochen und auch im Mitarbeitermagazin über das Thema informiert“, berichtet Eva Amann, Pressesprecherin der Stadt Freiburg. Doch nicht jeder Mensch eignet sich als Pflegebezugsperson. Die Kriterien, die angelegt werden, variieren von Region zu Region. Im deutschen Freiburg können sich Familien, Singles oder (gleichgeschlechtliche) Paare und Menschen mit Migrationshintergrund bewerben. In Baselland ist man weniger offen. Man gibt dort zum Beispiel alleinstehenden Personen zur Betreuung eines Kindes nur im Ausnahmefall eine Chance.

Das Jugendamt der Stadt Freiburg kennt viele Geschichten. Zum Beispiel die des Mädchens Lena, die im Alter von eineinhalb Jahren in einer fremden Familie neu anfangen musste. Lena ist heute elf Jahre alt. Sie lebt seit acht Jahren bei Susanne, deren Mann und deren gemeinsamer Tochter Ida, die damals drei Jahre alt war. Ida ist wie eine Schwester für Lena. Mama Susanne erinnert sich, wie das kleine Wesen bei einem der ersten Treffen die kurzen Arme nach oben gestreckt hatte, so als wollte es sagen: „Nehmt mich mit“.

Der leibliche Vater Lenas ist trotz Nachforschungen unbekannt. Lenas Mutter hat wegen einer geistigen Einschränkung einen Vormund und konnte die Erziehung von Lena und ihren beiden Brüdern nicht bewältigen. Auch nicht, als ihr das Amt eine sozialpädagogische Familienhilfe und später einen Platz in einer betreuten Mutter-Kind-Einrichtung organisierte.

Kind blickt befreit in die Sonne
Quelle: Jonathan Borba

INFO

Pflegeeltern dringend gesucht

Wer in Freiburg lebt, sich vorstellen kann, ein Kind bei sich aufzunehmen und einige Kriterien erfüllt, kann sich beim Pflegekinderdienst im Amt für Kinder, Jugend und Familien melden. Welche Kriterien es gibt und wie sich Vollzeit- und Teilzeitpflege unterscheiden, erfahrt ihr im Ratgeber der Stadt Freiburg.

Natürlich kann man sich auch telefonisch ( 0761 / 201-8601 ) beraten lassen.

Tipp: Der Pflegekinderdienst der Stadt Freiburg veranstaltet regelmäßig Infoabende.

Das neue fabelhafte Leben der Lena

Susannes Familie bietet Lena die Sicherheit, die sie zu dem fröhlichen, weltoffenen Kind werden ließ, welches sie heute ist. Jeden Monat fährt die Pflegefamilie in Lenas drei Stunden entfernte Heimatstadt, wo ihre Brüder Heimplatz und Pflegefamilie haben. Zur Erstkommunion und zu Schulfesten kommt die leibliche Mutter nach Freiburg. „Die Ängste, den Schmerz und auch die Art der leiblichen Eltern anzunehmen, darauf kommt es an“, sagt Susanne. Der Kontakt hilft ihr, das Wesen ihrer Pflegetochter besser zu verstehen.

Vor allem aber hilft er Lena. Sie weiß woher sie kommt, wer ihre leibliche Mutter ist und wie es ihren Brüdern geht. „Werden diese Dinge verschwiegen, können wir fast sicher sagen: Das ploppt in der Pubertät auf“, sagt Sozialpädagoge Mike Büttner aus dem Team des Pflegekinderdiensts der Stadt Freiburg, „denn da geht es um Themen wie Abgrenzung, Wurzeln, Selbstfindung“. Mike Büttner ist der Ansprechpartner von Susannes Familie. Zwei Mal im Jahr besucht er sie, bei Problemen können sich Pflegekind oder Pflegeeltern jederzeit bei ihm melden.

Fazit: Wir von DAS STADTMAGAZIN sagen. Respekt vor der Arbeit von Frau Ingrind Raiser-Stock und ihren Kollegen vom Jugendamt der Stadt Freiburg

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